Verantwortung Energiepolitik!

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großer Sorge verfolgen wir von Greenpeace Bielefeld die aktuellen Ereignisse in Japan. Das Ausmaß dieser Katastrophe ist in unserem ruhigen Alltag unvorstellbar. Fukushima ist überall dort, wo ein Atomkraftwerk steht. Nur rund 60 Kilometer von Bielefeld entfernt betreibt der Energiekonzern E.ON das niedersächsische Kernkraftwerk Grohnde – daran sind die Stadtwerke Bielefeld zu 16,7 Prozent Miteigentümer.

Die Nachrichten aus Japan verändern die bisherige Sichtweise auf die Kernenergienutzung und haben in der Bundesregierung hektische Betriebsamkeit ausgelöst – innerhalb von Tagen wurde scheinbar das gesamte Energiekonzept über Bord geworfen. Auch in Bielefeld ist zur Zeit ein hektisches Umschwenken zu beobachten. Noch bis vor kurzem war die Verlängerung der Laufzeit des AKW Grohnde fester Bestandteil des Koalitionsvertrages der Ratsmehrheit. Eine verlängerte Laufzeit über 2018 hinaus wurde mit dem Hinweis auf die Haushaltslage und die zu erwartenden Einnahmen in die Stadtkasse klar befürwortet.

Am Dienstag, den 15. März 2011, hat nun der Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz der Stadt Bielefeld einstimmig beschlossen, die Stadtwerke Bielefeld mit der Erarbeitung eines alternativen Energiekonzeptes zu beauftragen. Spätestens ab 2018 soll darin auf jegliche Nutzung von Atomenergie verzichtet werden. Dass endlich alle Parteien so geschlossen hinter diesem Beschluss stehen, ist nur zu begrüßen.

Es ist allerdings sehr zu bedauern, dass erst die tragischen Geschehnisse in Japan ein Umdenken ausgelöst haben. Um so wichtiger ist es nun, die richtigen Konsequenzen zu ziehen und über das Erstellen weiterer Konzepte hinausgehend zu handeln. Energiepolitik ist eine langfristige Angelegenheit, es müssen jetzt die Weichen für mehrere Jahrzehnte gestellt werden. Der angekündigte Wechsel muß durchgeführt werden, unabhängig von dem unzuverlässigen Zickzack der Bundesregierung.

Greenpeace Bielefeld fordert einen Ausstieg der Stadtwerke aus dem Kernkraftwerk Grohnde bis 2018 unabhängig von einer möglichen Laufzeitverlängerung auf Bundesebene. Darüber hinaus soll der Ausbau der Erneuerbaren Energien in Bielefeld im neuen Konzept der Stadtwerke weitaus stärker berücksichtigt werden. Wir rufen die Mitglieder des Rates der Stadt Bielefeld auf, ihren Worten Taten folgen zu lassen und den Ausstieg aus Grohnde dauerhaft zu beschließen.

Als Bielefelder erwarten wir, dass unsere Stadtwerke sicheren und sauberen Strom für die Bürger und Unternehmen in unserer Region produzieren, und wir erwarten einen Stadtrat, der verantwortungsvolle Energiepolitik betreibt – das kann als ersten Schritt nur den endgültigen Ausstieg aus Grohnde bedeuten.

Sie haben es jetzt in der Hand!

Mit freundlichen Grüßen,

Greenpeace Bielefeld